Karriere als Mutter: Warum Leadership-Positionen praktischer sind, als viele denken 

12. August
Karriere als Mutter: Warum Leadership-Positionen praktischer sind, als viele denken
Über Verena Tschudi

Verena Tschudi ist die Gründerin der Female Leaders Academy und Herausgeberin des Podcasts "Level me up! - für alle, die mehr wollen im Leben" einem, der erfolgrerichsten Podcasts im deutschsprachigen Raum zum Thema berufliche und personliche Weiterentwicklung.

Als Coach und Mentorin hat die gebürtige Österreicherin bereits mehreren hundert Frauen geholfen, ihre Laufbahn selbstbestimmt zu gestalten und ihre Ziele zu erreichen.


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Podcast "Level me up!"

In dem Podcast "Level me up!" teile ich meine Erkenntinisse und Erfahrungen als Manager, Working Mom und Coach.

Er richtet sich an alle, die mehr wollen im Leben: Mehr berufliche Erfüllung, mehr Erfolg, bessere Beziehungen und mehr persönliches Wachstum.

Viele Mütter zögern, den nächsten Karriereschritt in eine Führungsposition zu gehen – aus Angst vor Mehrarbeit, ständiger Erreichbarkeit und fehlender Vereinbarkeit mit dem Familienleben. Doch was, wenn genau das Gegenteil stimmt? Was, wenn Führungsfunktionen nicht nur machbar, sondern sogar die praktischste Lösung für berufstätige Mütter (und Väter) sind? Aus eigener Erfahrung zeige ich dir, warum Leadership-Positionen oft mehr Flexibilität, Selbstbestimmung und Lebensqualität bringen – und wie du diese Vorteile für dich nutzen kannst. 

Warum Führungspositionen mehr Freiheit bieten 

Der verbreitete Glaube lautet: „Je höher die Position, desto größer der Druck.“ Doch meine Erfahrung zeigt: In Führungsfunktionen hast du oft mehr Gestaltungsfreiheit als in operativen Rollen. 

Als ich meine beiden Kinder bekam, war ich bereits in einer Geschäftsleitungsfunktion und führte mehrere Teams. Ich hatte einen fähigen Stellvertreter und musste nicht täglich im operativen Geschäft präsent sein. Dadurch konnte ich flexibel arbeiten und meine Termine so legen, dass sie zu meinem Familienalltag passten. 

Im Vergleich dazu sind viele operative Rollen – wie zum Beispiel eine Empfangsposition – extrem zeitgebunden. Dort gibt es feste Anfangszeiten, Pausenpläne und klare Vorschriften, wann und wie man verfügbar sein muss. Schon kleine Verzögerungen am Morgen, etwa durch ein krankes Kind, können den gesamten Ablauf durcheinanderbringen. 

Flexibilität in der Terminplanung 

In einer Führungsposition bestimmst du meist selbst, wann und wie Meetings stattfinden. Termine werden nicht einfach in deinen Kalender gesetzt – man fragt dich, wann es dir passt. So kannst du kritische Zeiten, wie den Kita-Start am Morgen oder den Feierabend am Nachmittag, bewusst frei halten. 

Wenn ich beispielsweise wusste, dass ich nachmittags pünktlich los muss, habe ich wichtige Meetings in den Vormittag gelegt. Diese Selbstbestimmung reduziert Stress erheblich – etwas, das in streng getakteten Positionen kaum möglich ist. 

Weniger kurzfristiger Druck 

Operative Rollen leben von Sofort-Aufgaben: Der Empfang muss jetzt besetzt werden, der Kunde wartet jetzt, die Lieferung muss jetzt angenommen werden. In Führungsfunktionen hingegen arbeitest du überwiegend strategisch. Projekte und Entscheidungen haben längere Zeithorizonte, manchmal mehrere Monate. 

Das bedeutet nicht, dass es keine Deadlines gibt – aber der Zeitdruck ist meist planbarer. Und vor allem: Du kannst Aufgaben delegieren. Je größer dein Team, desto mehr Freiraum hast du für die Aufgaben, die wirklich deine Expertise brauchen. 

Die Erwartungshaltung ändert sich 

Ein weiterer Vorteil: In Führungsrollen erwartet niemand, dass du ständig erreichbar bist. Wenn du nicht im Büro bist, nehmen Kolleginnen und Kollegen an, dass du in wichtigen Meetings oder bei Kundenterminen bist. Diese Erwartungskultur gibt dir Freiraum, den du im Notfall auch für private Verpflichtungen nutzen kannst – ohne dass es sofort auffällt oder negativ bewertet wird. 

Der Mythos: Führung geht nicht in Teilzeit 

Einer der größten Irrtümer ist, dass Führungspositionen immer Vollzeit erfordern. Doch das stimmt so nicht. Ein einfaches Beispiel zeigt, warum: 

Ein Unternehmen mit 30 Mitarbeitenden hat eine CEO-Stelle – 100 Prozent. Ein Unternehmen mit 300 Mitarbeitenden? Ebenfalls eine CEO-Stelle – nicht zehn. Und selbst Konzerne mit 300.000 Mitarbeitenden haben nur eine Person an der Spitze. Diese arbeitet nicht proportional mehr Stunden, nur weil mehr Menschen im Unternehmen sind. 

Ich selbst habe meinen Job als Führungskraft von fünf auf vier Arbeitstage reduziert – ohne Qualitätsverlust. Die Umstellung lag nicht an einer Arbeitszeitverkürzung im Vertrag, sondern an einer bewussten Veränderung meines Mindsets und meiner Prioritäten. 

Das Zeitkonstrukt hinterfragen 

Unsere Vorstellung von „notwendiger Arbeitszeit“ ist stark geprägt von der Industrialisierung. Das Modell der 40-Stunden-Woche entstand, um Maschinen im Dreischichtbetrieb auszulasten – nicht, weil Menschen exakt diese Zeit brauchen, um ihre Arbeit gut zu machen. 

In anderen Ländern ist die Norm ganz unterschiedlich: In Frankreich sind es oft 35 Stunden, in Japan dagegen 60. Die Wahrheit ist: Wir füllen meist die Zeit, die wir haben. Wer bewusst hinterfragt, was wirklich nötig ist, kann denselben Job in weniger Stunden erledigen. 

Mindset ist der Schlüssel 

Der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Führungsrolle als Mutter ist nicht die Arbeitslast, sondern die eigene innere Haltung. Wer glaubt, ständig erreichbar sein zu müssen, wird sich selbst auch in Teilzeit überlasten. Wer jedoch klare Prioritäten setzt, Grenzen kommuniziert und an seinen Selbstführungs-Skills arbeitet, kann eine Führungsposition mit deutlich weniger Stress ausfüllen, als viele denken. 

Im Coaching erlebe ich oft, dass die eigentliche Veränderung nicht im Arbeitsvertrag, sondern im Kopf passiert. Sobald Frauen sehen, dass es möglich ist, gewinnen sie Freiheit und Selbstbestimmung zurück. 

Führungspositionen als strategischer Karriereschritt für Eltern 

Statt Führungsrollen als zusätzliche Belastung zu sehen, sollten Mütter (und Väter) sie als strategische Chance betrachten. Mehr Einfluss, mehr Gestaltungsspielraum und weniger kurzfristiger Druck schaffen ideale Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 

Der erste Schritt: Die eigene Karriere aktiv in die Hand nehmen, statt nur auf äußere Umstände zu reagieren. 

Führungsfunktionen sind nicht zwangsläufig stressiger – im Gegenteil: Sie bieten oft mehr Freiraum, Flexibilität und Selbstbestimmung als operative Rollen. Wer den Mut hat, Verantwortung zu übernehmen, kann Beruf und Familie besser vereinbaren, als viele glauben. Der Schlüssel liegt darin, die eigene Leader-Persönlichkeit zu entwickeln, klare Grenzen zu setzen und an das eigene Gestaltungspotenzial zu glauben. 

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